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"From bench to real world data": CESAR-Jahrestagung 2019
12. - 14.09.2019 in Oldenburg   
                                                                   

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Artikel zum interprofessionellen Workshop mit Pharmazie- und Medizinstudierenden

 

  

 
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Zusammenfassung Masterarbeit Claudia Bollig

Potenziell inadäquate Medikamente
in der stationären Versorgung

 

Bedingt durch den demographischen Wandel, Multimorbidiät, Polymedikation sowie pharmakokinetische und –dynamische Veränderungen ist die Pharmakotherapie älterer Patienten eine Herausforderung für Apotheker und Ärzte. Zur Sensibilisierung aller Beteiligten für Arzneimittelrisiken im Alter wurde 2010 die PRISCUS-Liste mit „potentiell inadäquaten Medikamenten für ältere Menschen“ (PIM) erstellt.

Um zu überprüfen, ob die Gabe von PIM bei stationären Patienten zu einer erhöhten Anzahl an arzneimittelbezogenen Problemen (ABP) führt, wurde eine historische Kohortenstudie auf der Basis von Daten aus den Jahren 2010 bis 2012 durchgeführt. Die Daten wurden im Rahmen von Projekten zur Pharmazeutischen Betreuung generiert, bei denen zwei Apothekerinnen für jeweils drei Monate nacheinander in je drei Kliniken am Universitätsklinikum der RWTH Aachen tätig waren. Dabei dokumentierten sie u.a. die vorbestehende Medikation und die Medikation der Patienten in den Kliniken sowie interventionsbedürftige ABP. Die Patienten waren mindestens 65 Jahre alt und nahmen mindestens ein Präparat ein.

Die Dreimonats-Prävalenz mindestens einer PIM-Verordnung betrug 43,9 %. Dabei wurden am häufigsten Zopiclon > 3,75 mg/d (23,9 %), Dimenhydrinat (3,3 %), Amitripylin (2,4 %), und Acetyldigoxin (2,4 %) dokumentiert. Unter Einschluss von Arzneistoffen, die auf der PRISCUS-Liste als fragliche PIM klassifiziert werden, betrug die Dreimonats-Prävalenz 70,9 %. Häufige fragliche PIM waren Diclofenac (9,7 %), Ciprofloxacin (8,8 %) und Lorazepam (6,4 %). Insgesamt wurden 4231 potenzielle ABP und 1182 interventionsbedürftige ABP erfasst. 44 interventionsbedürftige ABP wurden durch PIM verursacht.

Für eine detailliertere Datenanalyse wurden die 330 Studienpatienten in vier Gruppen eingeteilt. Patienten mit PIM bzw. PIM und/oder fraglichen PIM wiesen signifikant mehr interventionsbedürftige ABP auf als Patienten ohne PIM. Bei Patienten, die mindestens zwei PIM und/oder fragliche PIM bekamen, wurde eine signifikant höhere Anzahl an interventionsbedürftigen ABP festgestellt als bei Patienten mit nur einem PIM und/oder fraglichem PIM. Bei der Interpretation der Ergebnisse muss jedoch berücksichtigt werden, dass Patienten mit PIM auch insgesamt mehr Präparate einnahmen.

Die Studienergebnisse zeigen, dass PIM bei älteren stationären Patienten häufig angewendet wurden. Trotzdem waren ältere Patienten häufiger von Interventionsbedürftigen ABP durch Nicht-PIM als durch PIM betroffen. Um einen direkten Einfluss von PIM auf interventionsbedürftige ABP zu untersuchen, sind weitere Analysen nötig, die die höhere Anzahl an Präparaten bei Patienten mit PIM berücksichtigen.

 

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